Die Monarchie

Die Geschichte Luxemburgs und seiner Dynastien

Von Siegfried bis zu Großherzog Henri stand Luxemburg unter mehreren Dynastien. Eine Geschichte voller politischer und dynastischer Höhen und Tiefen, die das Land 1815 in den Rang eines Großherzogtums aufsteigen ließ, bevor es schließlich 1890 seine Unabhängigkeit erklärte, was das Ende der Personalunion mit den Niederlanden bedeutete. Infolgedessen wurde Großherzog Adolph der erste Herrscher einer nationalen Dynastie, die heute von Großherzog Henri, Staatsoberhaupt und 6. Nachkomme der Linie Nassau-Weilburg, verkörpert wird.

© Sammlung des Nationalmuseums für Geschichte und Kunst – Luxemburg (MNHA)
Das erste Grafenhaus

Siegfried gilt als der Gründer von Luxemburg im Jahre 963 durch einen Tausch von Ländereien mit der Abtei Sankt Maximin in Trier. Im Zuge dieses Tausches ersteht Siegfried gegen Ländereien in Feulen bei Ettelbrück ein Kastell, das sich auf einem Felsvorsprung über dem Tal der Alzette befindet. Siegfried lässt an der Stelle ein kleines Schloss errichten. Dabei erscheint zum ersten Mal in der Geschichte der Name Luxemburg (Lucilinburhuc). Diese Burg bildet den Kern der zukünftigen Stadt.

Siegfried stammt aus einer adligen Familie der Gegend zwischen Maas und Mosel, trägt aber noch nicht den Titel eines Grafen von Luxemburg. Erst mit seinem Urenkel Konrad I. erscheint zum ersten Mal in der Geschichte des Landes die Bezeichnung “Graf von Luxemburg“, und zwar im Jahr 1083 in der Gründungsurkunde der Benediktinerabtei von Münster.

Von Siegfried bis zum Tode Konrads II. im Jahre 1136 folgen acht Grafen aus derselben Familie.

Unter Konrad II. erlischt das erste Grafengeschlecht der Luxemburger.

© Cathol.lu / Christophe Hubert

Glasfenster von J. Oberegger aus dem 20. Jahrhundert in der Kathedrale von Luxemburg mit der Darstellung des Grafen Siegfried von Luxemburg

Das zweite Grafenhaus

Es ersteht neu unter dem Namen Luxemburg-Namur, als Kaiser Konrad III., der erste Hohenstaufer auf dem Kaiserthron, Heinrich von Namur, genannt Heinrich der Blinde, mit dem Titel des Grafen von Luxemburg belehnt. Mit diesem Geschlecht öffnet sich Luxemburg romanischem Einfluss. Gräfin Ermesinde, Tochter von Heinrich IV., heiratet zuerst Theobald von Bar und danach Walram, Herzog von Limburg. Nach dessen Tod ist ihre Herrschaft von 1226 bis 1247 gekennzeichnet durch Frieden und einen Aufschwung der Religiosität. Im Jahr 1247 geht die Grafenwürde an ihren Sohn Heinrich V., genannt der Blonde, über. Mit ihm beginnt das Haus von Luxemburg-Limburg.

Die Herzöge vun Burgund

Unter dem Grafen Heinrich VII. beginnt der Aufstieg der Grafen von Luxemburg in die höheren Sphären der Macht. 1308 wird Heinrich auf den Thron des Heiligen Römischen Reiches gewählt.

Die Grafschaft Luxemburg wird 1354 von Karl IV., Sohn Johanns des Blinden, der 1310 König von Böhmen wurde, in den Rang eines Herzogtums erhoben. Das Geschlecht der Luxemburger erlischt 1437 mit dem Tode von Kaiser Sigismund, König von Böhmen und Ungarn, Herzog von Luxemburg. Seine Nichte Elisabeth tritt ihre Rechte an Philipp von Burgund ab. Somit fällt Luxemburg an die Herzöge von Burgund.

Mit der Eroberung Luxemburgs durch Philipp den Guten im Jahr 1443 wird das Herzogtum Luxemburg in eine größere Einheit integriert, zuerst in den burgundischen Staat, dann in die Niederlande. Die Niederlande sind zu diesem Zeitpunkt kein richtiger Staat, sondern vielmehr ein Konglomerat von recht eigenständigen Fürstentümern. Die Herrschaft der Burgunder verstärkt den französischen Einfluss in Luxemburg und Französisch wird zur vorherrschenden Sprache in der Verwaltung. Die Nachfolger der Herzöge von Burgund (spanische Habsburger im 16. und 17. Jahrhundert, österreichische Habsburger im 18. Jahrhundert) werden das Französische beibehalten.

© Sammlung des Nationalmuseums für Geschichte und Kunst – Luxemburg

Plan der Stadt Luxemburg im Jahre 1581

Das Haus der Habsburger

Der Sohn Philipps des Guten, Karl der Kühne, unternimmt die Vereinigung seiner Gebiete im Süden (Burgund) mit seinen Fürstentümern im Norden, die sich von Luxemburg bis nach Holland erstrecken. Diese Bestrebungen rufen jedoch große Ängste hervor und stoßen auf starken Widerstand.

Seine Tochter, Marie von Burgund, heiratet den Erzherzog Maximilian von Österreich, Kaiser von 1486 bis 1519. Sie stirbt vorzeitig und hinterlässt ihr burgundisches Erbe ihrem Sohn, Philipp dem Schönen, der durch seine Heirat die Königreiche von Aragon und Kastilien erhält. Sein Sohn, Karl V., wird 1519 zum Kaiser gewählt. Somit fällt Luxemburg zusammen mit den Niederlanden an die spanischen Habsburger. 1555-1556 dankt Karl V. ab und teilt seinen Besitz auf: Sein Bruder Ferdinand I. erbt die Kaiserkrone und die österreichischen Besitztümer, sein Sohn Philipp II. erbt Spanien und die Niederlande.

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Glasfenster in der Kathedrale von Luxemburg

Mit dem Eintritt von Frankreich in den Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1635 wird Luxemburg zu einem begehrten und umkämpften Gebiet. Der Krieg endet 1659 mit dem Pyrenäenfrieden, durch den Frankreich die Städte und Amtsbezirke von Ivoix-Carignan, Montmédy, Marville, Damvillers und Thionville im Herzogtum Luxemburg erhält.

Von 1678 bis 1683 besetzen die Truppen Ludwigs XIV. große Teile Luxemburgs und erobern die Hauptstadt 1684. Im Vertrag von Regensburg wird Ludwig XIV. das Herzogtum Luxemburg zugesprochen. Vauban, der die Belagerung der Stadt Luxemburg geleitet hatte, baut die Festung aus, aber Ludwig XIV. muss auf Luxemburg verzichten und es 1698 an Karl II. von Spanien zurückgeben (Friede von Rijswijk).

Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg fallen die spanischen Niederlande - und mit ihnen Luxemburg - 1714 an die österreichischen Habsburger in der Person von Kaiser Karl VI.

Kaiserin Maria Theresia

Die Herrschaft von Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) ist geprägt von großen Veränderungen. Sie leitet umfangreiche Reformen ein zur Verbesserung des Betriebs der Institutionen und zur Steigerung der Staatseinnahmen. Ihr Sohn Joseph II. tritt 1780 ihre Nachfolge an und führt das Werk seiner Mutter, das die Erneuerungsbestrebungen der französischen Revolution vorwegnimmt, weiter.

Die Herrschaft der Habsburger endet 1795 mit dem Einmarsch der Revolutionstruppen in Luxemburg. Das Herzogtum Luxemburg wird als “Wälder-departement“ an Frankreich angegliedert. In dieser Zeit finden in Luxemburg tiefgreifende Umwälzungen statt, die seine Entwicklung im 19. Jahrhundert bestimmen.

© Sammlung des Nationalmuseums für Geschichte und Kunst – Luxemburg

Gemälde von Kaiserin Maria Theresia

Der unter dem «Directoire» vorherrschende Geist der französischen Revolution ist vor allem durch die Verfügung der Rechtsgleichheit und die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches unter dem Konsulat gekennzeichnet.

Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht von Leipzig 1813 und seiner Abdankung ein Jahr später wünschten die Luxemburger die Rückkehr der Habsburger, aber der Wiener Kongress von 1815 trägt diesem Wunsch nicht Rechnung. Da das oberste Ziel darin besteht, Frankreich innerhalb seiner Grenzen zu halten, beschließen die europäischen Großmächte die Schaffung eines großen Königreichs der Niederlande, das an die Dynastie der Oranien-Nassauer gegeben wird. Wilhelm I. von Oranien-Nassau erhält somit zusätzlich zu Holland die früheren österreichischen Niederlande. Das Herzogtum Luxemburg wird zum unabhängigen Staat erklärt und dem König der Niederlande als persönlicher Besitz übergeben, “um ihm und seinen rechtmäßigen Erben persönlich und für immer zu gehören“ (Artikel 67 der Schlussakte des Wiener Kongresses). Somit ist der jeweilige König der Niederlande bis 1890 ebenfalls Großherzog von Luxemburg.

Das Großherzogtum ist, wie bereits zu den Zeiten des Ancien Régime, sprachlich zweigeteilt: In einen französischen Teil und einen deutschen Teil, wo sich die Hauptstadt befindet und wo der Großteil der Bevölkerung Luxemburgisch spricht.

Das Haus Luxemburg-Nassau
Die Anfänge der nationalen Dynastie

Wilhelm I. behandelt Luxemburg nicht wie einen unabhängigen Staat, sondern wie eine Provinz seines Königreichs. Die Belgier sind unzufrieden mit der Politik Wilhelms I., die den politischen, wirtschaftlichen und religiösen Besonderheiten der Südprovinzen nicht Rechnung trägt. Im August 1830 kommt es zur Revolution. Im Oktober schließen sich die Luxemburger den Belgiern an. Ihre Vorwürfe an Wilhelm I. beziehen sich auf die hohe Steuerlast und das flagrante Desinteresse des König-Großherzogs an Luxemburg. Wilhelm ist nur einmal in Arlon gewesen, er hat alle höheren Ämter der Verwaltung mit Ausländern besetzt und er hat vorgehabt, in der Grundschule Niederländisch als Schulfach einzuführen. Mit der Auflehnung gegen Wilhelm I. hoffen die Luxemburger, sich der holländischen Herrschaft entziehen zu können und dass ihre Eigenständigkeit in Zukunft berücksichtigt wird.

Im Londoner Vertrag erkennen die Großmächte die Unabhängigkeit Belgiens an und erzwingen schließlich die Teilung Limburgs und Luxemburgs. Im Jahre 1839 unterzeichnet Wilhelm endlich den Vertrag, womit er die Teilung und die Unabhängigkeit Luxemburgs anerkennt. Die Personalunion mit den Niederlanden und die Mitgliedschaft Luxemburgs im Deutschen Bund werden bestätigt.

© SIP

Reiterstandbild von König-Großherzog Wilhelm II. auf dem gleichnamigen Platz in Luxemburg-Stadt

Wilhelm II.

1840 tritt Wilhelm II. die Nachfolge seines Vaters an und gewährt dem Großherzogtum eine eigene Verfassung. Seine Herrschaft ist zwar kurz, aber durch zahlreiche Reformen geprägt. Er schafft die administrativen Infrastrukturen, auf die das Großherzogtum sich stützt, um ein wirklicher Staat zu werden, und billigt 1842 den Eintritt Luxemburgs in den Zollverein (Zollunion mit Preußen). 1848 gibt Luxemburg sich eine sehr liberale Verfassung, die die königlichen Vorrechte einschränkt. Wilhelm II. stirbt im Jahre 1849.

1884 wird ihm im Zentrum der Stadt Luxemburg als Anerkennung seiner Verdienste ein Reiterstandbild errichtet

Wilhelm III.

1849 tritt sein Sohn Wilhelm III. seine Nachfolge an und herrscht bis 1890. Er vertritt eine reaktionärere Gesinnung. Die Verfassung ist ihm zu liberal und zu “republikanisch“. Daher ordnet er 1856 eine überarbeitete Verfassung an, die die Vorrechte der Monarchie wieder einführt, indem insbesondere ein Staatsrat eingerichtet wird, dessen Mitglieder vom Herrscher ernannt werden. Er ernennt seinen Bruder Heinrich zu seinem Statthalter. Dieser mäßigt die Politik seines Bruders etwas, indem er die Unabhängigkeit des Landes im Ausland verteidigt, insbesondere anlässlich der Krise von 1867, als Napoleon III. Luxemburg kaufen wollte. Wilhelm III. stirbt am 23. November 1890.

Nach den Bestimmungen des Familienpaktes des Hauses Nassau von 1783 geht die Krone des Großherzogtums 1890 an den einzigen männlichen Erben des Hauses Nassau, den Herzog Adolph von Nassau-Weilburg, über, während die älteste Tochter von Wilhelm III., Wilhelmine, ihrem Vater auf den Thron der Niederlande folgt, wo eine andere Erbfolgeregel gilt. Damit endet die Personalunion zwischen Luxemburg und den Niederlanden.

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